Teil 3 zum Thema Stress und Übergewicht.

Im ersten Teil wurde dargestellt, dass „konventionelle“ Diäten zu keiner langfristigen Gewichtsreduktion führen.

Aus Sicht der Hirnforschung erscheinen bisherige Ansätze, die das Nahrungsangebot einschränken (wie etwa Diäten oder bariatrische Chirurgie) als falsch.

Für die Erforschung der Ursachen von Übergewicht und für die Beeinflussung des Körpergewichts gibt es einen neuartigen Erklärungsansatz! Internationale Fachleute sehen diese Forschungsergebnisse als wegweisend an.

Die Selfish-Brain-Theorie einfach erklärt

lieferkette

              (mod. nach Peters et al., 2013)

In einem vereinfachten Modell wird die Nahrungs/Energieaufnahme des Menschen mit einem Lieferkettenmodell erklärt. Die Energie fließt im Modell in eine Richtung. Von der Umgebung (Esstisch) zum Körper und über das Blut zum Gehirn (Endverbraucher).

Es gibt dabei 2 Wege um den Bedarf des Gehirn zu sichern.

Nervensystem

 

1. Zuteilung (Allokation/Brain-Pull). Die im Körper vorhandene gespeicherter Energie wird vom Gehirn “gezogen”. Dazu wird das Stresssystem (bestehend aus Sympathikus und Hypothalamus-Nebennierensystem) aktiviert (pull-Prinzip).

 

 

 

2. Zusätzliche Nahrungsaufnahme. Dem Körper wird dabei Energie zugeführt. Durch die zusätzliche Nahrungsaufnahme wird ein größeres Angebot geschaffen (push-Prinzip).

 

 

Wann nimmt man an Gewicht zu?

Bei gesunden Menschen sind 1. Zuteilung (Allocative behavior) und 2. Nahrungsaufnahme (ingestive behavior) im Gleichgewicht und das Körpergewicht bleibt stabil.

 

 

 

 

Es kommt zu einer Gewichtszunahme (Gain), wenn die Nahrungsaufnahme (Ingestive behavior) größer ist als die Zuteilung (Allocative behavior).

 

 

 

 

Was kann dazu führen, dass der Zuteilungsmechanismus nicht mehr funktioniert?
Allgemein können die Gründe dafür in 3 Kategorien eingeteilt werden:
software-417880_640 Softwareproblem: z.B. chronischer psychosozialer Stress.

 

 
computer-158675_640Hardware-Fehler: Z.B. Gehirndefekte oder Gendefekte (sehr selten)

 

 

monster-426995_640Virus:  In diese Kategorie zählen zum Beispiel Süßstoffe. Ein Virus ist im Prinzip ein Falschsignal. Der Süßstoff täuscht das Gehirn und signalisiert Energie ohne welche zu liefern.
In Tierexperimenten konnte bereits gezeigt werden, dass es unter Süßstoffeinfluss zu einer Gewichtszunahme kommt (Swithers & Davidson, 2008). Auch bei bestimmten Medikamenten ist eine Gewichtszunahme eine typische Nebenwirkung.

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Quellenangaben:
Peters, A. (2011). Das egoistische Gehirn: Die Ursachen von Adipositas und Typ-2-Diabetes aus neurobiologischer Sicht. Diabetologie und Stoffwechsel, 6(04), 216–224

Peters, A., Kubera, B., Hubold, C., & Langemann, D.(2013). The corpulent phenotype-how the brain maximizes survival in stressful environments. Frontiers in neuroscience, 7, 47.

Peters, A., & Junge, S. (2013). Mythos Übergewicht: Warum dicke Menschen länger leben ; [überraschende Erkenntnisse der Hirnforschung] (1st ed.). München: Bertelsmann.

Swithers, S. E., & Davidson, T. L. (2008). A role for sweet taste: Calorie predictive relations in energy
regulation by rats. Behavioral Neuroscience, 122(1), 161–173.


Robin

Diplom Sportwissenschaftler Personal Trainer Gesundheitsberater Blogger

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